Wie nachhaltig sind Bücher?

Wie nachhaltig sind eigentlich Bücher? Nicht besonders, muss man leider sagen, wenn man traditionelle Bücher Ebooks vorzieht. Wir haben uns damals ein paar Fragen gestellt. Die Antworten haben uns dazu motiviert, bookjes so umzusetzen wie wir es dann getan haben. Hier eine kleine Auswahl:

Wird wegen deutschen Büchern Regenwald gerodet?

Ja. Glücklicherweise ist nicht jeder Spiegel-Bestseller aus Tropenholz, aber der WWF Deutschland musste in einer Studie aus dem Jahr 2012 mit Daten aus den Jahren 2010 bis 2012 feststellen, dass von 79 zufällig ausgewählten Büchern 22 Spuren von Regenwaldholz enthielten. Teilweise bis zu 53 Prozent. Viele große Verlagshäuser fielen durch den Test, was noch schwerer zu akzeptieren ist durch die Tatsache, dass der WWF eine ähnliche Studie mit ähnlichen Ergebnissen bereits drei Jahre zuvor auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hatte und Besserung gelobt wurde (Link).

 

Ist FSC-Papier gut genug?

Darauf gibt es keine Antwort, die für jeden gleich ist. Für uns ist es das in der Regel nicht, weil auch wenn es kein Regenwald ist, der gerodet wird, trotzdem zu viele Bäume gefällt werden, um den nach wie vor steigendem Papierkonsum zu bedienen. Knapp jeder fünfte weltweit geschlagene Baum geht in die Papierproduktion. Und theoretisch könnte all dies Papier FSC-zertifiziert sein, denn die Anforderungen beziehen sich in erster Linie auf die Bedingungen der Forstwirtschaft (Nachwachsen gesichert, kein Regenwald, etc), zielen aber nicht darauf ab, die Verwendung von Holz zur Papierherstellung zu verringern. Den Argumenten einiger Wissenschaftler folgend, legitimiert sie sie gar, da sie mittelmäßig nachhaltiger Produktion den Anschein von Nachhaltigkeit verleiht und damit ein Kaufargument liefert (‚Race to the bottom‘).

Das heißt unserer Meinung nach nicht, dass das Siegel überflüssig ist. Auch wenn man im Kopf schon weiter ist, wäre den indigenen Völkern und den Tieren, die von und im Regenwald leben, sehr geholfen, wenn sich zumindest jeder auf FSC-Papier als Mindeststandard einigen könnte.

 

Wie sieht es mit Recyclingpapier aus?

In vielerlei Hinsicht ist Recycling-Papier besser für die Umwelt. Zudem hat Deutschland im Blauen Engel seit 1978 (also lange vor der Flut von Zertifikaten in den 2000ern) ein ziemlich kompromissloses Umweltsiegel, das 100% Altpapier-Anteil verlangt. Neben dem Rohstoffverbrauch, werden auch weniger Wasser und Energie benötigt, um Recyclingpapier herzustellen.

Dazu kommt, dass aus Holz hergestelltes Papier in Deutschland in nahezu allen Fällen aus Asien (insbesondere Indonesien und China), Brasilien und Skandinavien stammt. Durch den Transport entsteht eine weitere Umweltbelastung.

Diese Fakten (und die niedrigeren Preise dank Prozessoptimieurng bei der Papiergewinnung aus Altpapier) sind anerkannt und sorgten dafür, dass der Anteil von wiederverwendetem Papier von 49 Prozent im Jahr 1990 auf 76 Prozent im Jahr 2018 stieg.

Warum sagt dann Monika Nolle von der Waldschutzorganisation Ara: „Der Markt nimmt Recyclingpapier nicht an und der Verbraucher schaut meistens doch nicht so genau hin“. Weil der Anteil in bestimmten Branchen deutlich höher ist als in anderen. So wird etwa in Kommunen, Städten und Gemeinden zu 85% Recyclingpapier verwendet. Bei Produkten für den Endverbraucher ist der Anteil deutlich geringer. Bei seinem eingangs erwähnten Test, prüfte der WWF auch die damalige Spiegel-Bestseller Liste und fand dabei heraus, dass von 94 Büchern kein einziges auf Recycling-Papier gedruckt worden war.

Die Neue Züricher Zeitung weist in diesem Zusammenhang auf eine besondere Ironie bei der Geschichte hin: Der Großteil der in den letzten Jahren erschienenen Bücher, die sich mit nachhaltiger Lebensführung beschäftigen, wurde auf Papier aus Südostasien und Brasilien gedruckt.

Es gibt also noch eine Menge zu tun. Es gibt aber auch eine Menge Initiativen, die sich um nachhaltigere Papierverwendung bemühen.
In der Zwischenzeit haben wir hier drei Novellen auf schickem Recyclingpapier für euch im Angebot.